Schottisches Gambit

Wenn man von einem Gambit spricht, verbinden viele damit Kompensation in Form eines starken Angriffs, aber auch die Angst bei ungenauem Spiel schlicht Material verloren zu haben. In genau diesen zwei Punkten unterscheidet sich jedoch das schottische Gambit von vielen anderen Gambits. Es verspricht dem Anziehenden keinen bequemen Angriff, dafür jedoch dauerhaften positionellen Druck, sowie viele Fallstricke für den Schwarzen, bei geringem Risiko.

Hauptvariante Einleitung:

Wir beginnen klassisch mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4 und leiten in die schottische Partie über.

…exd4 4.Lc4 dies ist der Übergang zum schottischen Gambit. Weiß verschmäht den Bauern und gedenkt den aktiv positionierten Läufer gepaart mit dem aggressiven Vorstoß e4-e5 zu nutzen, um die Entwicklung des Nachziehenden zu stören.

#Werbung

Spare 10% mit unserem Link!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Nebenvariante 1:

Der Nachziehende hat im Wesentlichen drei respektable Möglichkeiten fortzusetzen und wir werden uns über die Nebenvarianten der Hauptvariante nähren, um ein besseres Gefühl und Sicherheit in diesen Strukturen zu gewinnen.

…Lb4+ 5. c3 dxc3 6.0-0 Es besteht keine Eile den zweiten Bauen zurückzugewinnen, da dem Schwarzen nach cxb2 7.Lxb2 der dritte Bauer im Halse stecken bliebe angesichts des erheblichen Entwicklungsvorsprungs. An diesem Punkt kann der zweite Spieler zwischen zwei Möglichkeiten wählen:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nebenvariante 1.1:

…d6 7.Db3 der Zug e5 wurde vorerst verhindert, doch nun wird auf den zweiten Trump gepocht.

…Df6 8.a3 La5 9.Sxc3 Lxc3 10.Lg5! Ein wichtiger Schlüsselzug, welcher das Läuferpaar souverän gewinnt, Damentausch vermeidet und den Druck aufrecht hält. …Dg6 11.Dxc3 Sge7 12.Tad1 0-0

13.e5 öffnet die Stellung und verwirklicht das Potential der weißen Formation.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nebenvariante 1.2:

…Sf6 7.e5 das erwähnte Manöver, welches den Ball an den zweiten Spieler zurückgibt und nur eine korrekte und typische Erwiderung kennt … d5! 8.exf6 dxc4 9.Dxd8 Sxd8 10.fxg7 Tg8 11.Sxc3 Lxc3 12.bxc3 Die Situation im Zentrum hat sich geklärt und wir finden uns in einem Duell der ungleichfarbigen Läufer wieder. Schwarz spielt auf den weißen und Weiß auf den schwarzen Feldern, wobei die Könige eine entscheidende taktische Angriffsmarke darstellen.

…Se6 13.Te1 Txg7 14.Lh6 Tg8 15.Lf4 Kf8 16.Lg3 b6 17.Se5 Die Idee des Nachziehenden besteht in Druck entlang der Diagonal h1-a8 und der g-Linie. Der Anziehende hingegen ersucht mit Tad1 das Zentrum zu besetzen und mit dem Springer und Läufer schwache schwarze Felder zu okkupieren.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nebenvariante 2:

…Lc5 entwickelt den Läufer und versucht den starken Zentralbauern zu verankern. 5.c3 bietet ein echtes Gambit an, wobei der zweite Spieler gut beraten ist sich zu entwickeln, denn nach dxc3 6.Lxf7+! Kxf7 7.Dd5+ wird das Material schnurstracks mit Vorteil zurückerobert. Deshalb empfiehlt sich …Sf6 6.e5 d5 7.Lb5 Se4 Die Standardreaktion, gefolgt vom simplen 8.cxd4, was

zu unserer nächsten Verzweigung führt:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nebenvariante 2.1:

…Lb6 Dies ist wohl der akkurateste Zug und wird mit solider Entwicklung beantwortet, wobei ein besonderes Augenmerk auf den empfindlichen Punkt d4 gelegt wird. 9.Sc3 0-0 10.Le3 Lg4 11.h3 befragt den lästigen Läufer und leitet ein raffiniertes Manöver ein …Lh5 12.Dc2!? Lg6 13.Db3 die Pointe … Se7 14.0-0 schließt die Eröffnungsphase ab und macht Platz für ein interessantes Mittelspiel, in welchem Schwarz versucht das weiße Zentrum zu destabilisieren und Weiß von seiner besseren Zentralisierung zehrt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nebenvariante 2.2:

…Lb4+ Die intuitive, obgleich etwas schwächere Option. 9.Ld2 0-0 10.0-0 Le7 Ein seltsam anmutender Zug wird vom Nachziehenden abverlangt, aber das Tauschen auf d2 befördert nur die Mobilisierung des weißen Damenflügels. 11.Le3 Lg4 12.h3 Lh5 13.Sc3 Wir erreichen eine Position, in welcher der Weißspieler aufgrund der etwas schlechteren Figurenkonstellation des Schwarzen im Vergleich zu Nebenvariante 2.1 einen leichten Vorteil verzeichnen kann.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

An dieser Stelle auf die sehr instruktive Zugreihenfolge nach …f5?! hingewiesen 14.Se2! Ignoriert die Fesselung und zeigt sogleich die Nachteile der Schwächung auf den hellen Feldern auf. …g5 15.Sg3 Le8 16.Sxe4 dxe4 17.d5! exf3 18.dxc6 fxg2 19.Kxg2 Dxd1 20.Taxd1 bxc6 21.Lc4+ Kg7 22.f4 mit einem Vorteil für den Anziehenden, da die schwarze Struktur geschwächt ist und die Majorität am Königsflügel blockiert. Schwarz sollte sich hüten leichtfertig Material zu tauschen.

 

Hauptvariante Fortsetzung:

Nach unserem Exkurs in die Nebenvarianten des schottischen Gambit kehren wir in die am häufigsten gespielte Variante zurück , welche fortsetzt mit …Sf6 5.e5 d5 6.Lb5 Se4 7.Sxd4 Ld7 8.Lxc6 bxc6 9.0-0 Wir haben die charakteristische Auftaktposition des sogenannten Max-Lange-Angriffs im schottischen Gambit erreicht. Die wesentliche Idee des Führenden der weißen Steine besteht in einer schwarzfeldrigen Blockade der zentralen Bauernmasse über die Felder d4 und c5.

Dies kann unterstützt werden durch einen Vorstoß der eigenen Zentrumsbauern. Die Gegenpartei unternimmt Bestrebungen diese Pläne zu vereiteln und sich optimalerweise nicht in einem Szenario wiederzufinden mit getauschten schwarzen Läufern und Springer auf c5 gegen den schwachen weißfeldrigen Läufer.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

…Lc5 10.f3 Sg5 11.f4 Se4 12.Le3 Lb6 Dies ist ein Zug von vielen, wobei die strategischen Kerngedanken in allen Abspielen ungefähr gleich bleiben. 13.Sd2 Sxd2 14.Dxd2 c5!? Ein wichtiger Zug, da das einfache 0-0 dem Anziehenden 15.Sb3 erlaubt, wobei die Erreichung des Plans nicht mehr weit ist. Es sei erwähnt, dass die Blockadestellungen nicht zwangsläufig besser für Weiß sind, aber mindestens ausgeglichen und praktisch wesentlich angenehmer zu spielen.

15.Sf3 d4 16.Lf2 0-0 Der zweite Spieler gewinnt etwas Zeit, indem er Springer und Läufer zurücktreibt, doch sieht seine Bauernformation sehr ungesund aus und der schwarzfeldrige Läufer ist das Musterbeispiel eines Großbauern.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

17.Lh4 Dc8 18.a4 a6 19.h3 Der Versuch eine weißfeldrige Blockade am Königsflügel zu errichten wird mit diesem kleinen Bauernzug effektiv unterbunden und es breitet sich eine strategisch reich veranlagte Partie aus, in welcher Weiß trotz des schwarzen Mehrbauern einen kleinen Vorteil behaupten kann und realistische Gewinnchancen besitzt, wohingegen die schwarze Stellung den wenigsten Spielern Freude bereiten sollte.

Cliff Ruhland von german-chess-education.com

0 0 vote
Article Rating

#Werbung

guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen